Wie sehen nachhaltige Lieferketten aus?

Nur noch wenige Produkte gelangen auf direktem Wege zu uns. Auf der Reise vom Rohstoff zum Endkunden durchlaufen viele Artikel zahlreiche Etappen, meist in verschiedenen Kontinenten. Diese Lieferketten umweltfreundlich, fair und zugleich rentabel zu gestalten, ist komplex, aber machbar – und lohnt sich. Denn wer sich für nachhaltige Lieferketten stark macht, tut langfristig nicht nur der Umwelt etwas Gutes, sondern auch der Gesellschaft und dem eigenen Konto.

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Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Lieferkette? 

Lieferketten bzw. „Supply Chains“ sind die Unternehmensnetzwerke, über die ein Produkt vom Hersteller zum Kunden gelangt. Je mehr Beteiligte involviert sind, desto komplexer und unübersichtlicher werden auch die Lieferketten. Um diese nachhaltiger zu gestalten, ist eine strategische Koordinierung aller Phasen der Beschaffung, Produktion und des Absatzes notwendig: das Sustainable Supply Chain Management oder auch nachhaltiges Lieferkettenmanagement.

Was der Begriff „Nachhaltigkeit“ allgemein bedeutet und was er mit einem Wald zu tun hat, haben wir in unserem Artikel zum nachhaltigen E-Commerce erläutert. Was mit einer nachhaltigen Lieferkette gemeint ist, lässt sich anhand des Drei-Säulen-Modells gut erklären. Demnach kann es nachhaltige Entwicklung nur geben, wenn ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen gleichermaßen berücksichtigt werden. Daraus lässt sich Folgendes für die Lieferkette ableiten:

  • Eine ökologisch nachhaltige Lieferkette ist auf die verantwortungsvolle Nutzung von Ressourcen ausgelegt. Das fängt beim Einkauf von Rohstoffen ohne langfristige Schädigung von Ökosystemen an und reicht bis zur Einsparung von Emissionen bei Produktion und Transport. Ein gutes Beispiel wären auf natürlicher Basis hergestellte Kunststoffe, die im Laufe ihres Lebenszyklus weniger Treibhausgase freisetzen als konventionelle Materialien. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Umweltbilanz aus, sondern kommt auch dem klimafreundlichen Image des Unternehmens zugute.
  • Sozial nachhaltige Lieferkette: Kinderarbeit, Korruption oder unsichere Arbeitsbedingungen in der Lieferkette stellen nicht nur den Ruf eines Unternehmens infrage, sondern beeinträchtigen auch die Entwicklung der Länder, die unter hohem Preisdruck produzieren. Im Sinne des nachhaltigen Ansatzes müssen Unternehmen dafür Sorge tragen, dass sie und ihre Partner nicht gegen Arbeitnehmer- und Menschenrechte verstoßen. Auch soziale Spannungen im Lieferland spielen eine Rolle. Beispielsweise achten viele Elektronikanbieter darauf, wie es in den jeweiligen Regionen, aus denen sie Rohstoffe und Einzelteile beziehen, um soziale Konflikte und Menschenrechte bestellt ist.
  • Eine wirtschaftlich nachhaltige Lieferkette trägt zu mehr Effizienz bei Beschaffung, Produktion und Transport bei. Dadurch lassen sich Rohstoffe und Energie sparen, aber auch teure Betriebsstörungen vermeiden. Zudem ermöglicht eine wirtschaftlich integrative Lieferkette neue Arbeitsplätze und höhere Löhne, die wiederum zur wirtschaftlichen Entwicklung der jeweiligen Standorte beitragen. Wer nachhaltig produziert, schont zudem nicht nur die Umwelt, sondern erfüllt auch die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten. 

Sie sehen schon:  Die drei Dimensionen lassen sich nicht klar voneinander abgrenzen, sondern beeinflussen sich gegenseitig. Ein Grund mehr für Unternehmen, sich für mehr Nachhaltigkeit stark zu machen. Denn wer nachhaltig wirtschaftet, trägt auch maßgeblich zur ökologischen und sozialen Entwicklung der Standorte in der Lieferkette bei. So viel Engagement wirkt sich auch positiv auf das Image des Unternehmens und dadurch wiederum auf dessen Umsatz aus.

 

Warum ist E-Commerce (noch) nicht nachhaltig?  

Imagegewinn durch ökologisches und soziales Engagement sowie Kosteneinsparungen durch effektivere Betriebsabläufe. Auch Händlerinnen und Händler profitieren von nachhaltigen Produkten, zu denen es eine stetig wachsende Nachfrage gibt. Die Vorteile von Lieferketten liegen auf der Hand. Wie aber setzt man sie konkret um? Zu dieser Frage hat das UN Global Compact einen Leitfaden erstellt, mit dem Unternehmen ihren Weg in eine nachhaltigere Zukunft bereiten können. 

 

1. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung

Wenn Sie neu in das Thema Nachhaltigkeit einsteigen, müssen Sie sich zunächst ein Bild Ihrer aktuellen Lage machen. Mithilfe eines Business Case können Sie Schwachstellen, aber auch Chancen in der Lieferkette ermitteln. Wo gibt es schwerwiegende soziale, ökologische oder wirtschaftliche Probleme zu beheben? Welche Maßnahmen würden unmittelbare Verbesserungen nach sich ziehen? So können Sie konkrete Ziele für Ihre Nachhaltigkeitsstrategie ableiten.

 

2. Vision formulieren

Mit einer klaren Vision geben Sie Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie eine Richtung und können so auch Erfolge und den jeweiligen Optimierungsbedarf besser einschätzen. Damit sich auch Ihre Partner an die Spielregeln halten, empfiehlt sich ein Verhaltenskodex. Er dient allen Beteiligten als Grundlage, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Wichtige Themen dabei sind neben Umweltschutz auch Arbeitsnormen und Korruptionsbekämpfung. 

 

3. Aufwand und Umfang einschätzen

Als Nächstes ermitteln Sie den Aufwand Ihres Nachhaltigkeitsprogramms. Dabei müssen Sie sich nicht gleich die ganze Wertschöpfungskette vornehmen, das wäre angesichts ihrer Komplexität auch kaum machbar. Fangen Sie zunächst mit den Stellen in der Lieferkette an, in denen dringender Handlungsbedarf besteht. Anhand solcher Kriterien können Sie entscheiden, mit welchen Zulieferern Sie in welchem Umfang zusammenarbeiten wollen. Und mit steigender Kompetenz können Sie auch Ihre Lieferkette schrittweise optimieren.

 

4. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Für ein erfolgreiches Nachhaltigkeitsmanagement sind regelmäßiges Monitoring sowie Evaluierungen entscheidend. Das gilt sowohl für Ihre als auch für die Prozesse Ihrer Zulieferer. Im oben genannten Verhaltenskodex haben Sie die Spielregeln festgelegt. Im nächsten Schritt sollten Sie regelmäßige Leistungsbeurteilungen durchführen, anhand entsprechender Nachweise sowie durch Besuche vor Ort. So lassen sich etwaige Schwachstellen ermitteln und gezielt angehen. Unterstützung durch entsprechende Ressourcen und Schulungsmaterialien kann zur Verbesserung des Nachhaltigkeitsmanagements sowie zur Stärkung Ihrer Beziehung mit Ihren Lieferanten beitragen.

 

5. Erfolge messen und kommunizieren

Mindestens genauso wichtig wie das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele ist das Feiern dieser Erfolge. Fortschrittsberichte und -mitteilungen, die wichtige erreichte Meilensteine hervorheben, tragen zur Motivation aller Beteiligten und somit zur laufenden Verbesserung des Nachhaltigkeitsmanagements bei. Außerdem lassen sich große Erfolge auch effektiv zu Werbezwecken einsetzen, um Kunden anzusprechen.

 

Fazit  

Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen haben eine ambitionierte Aufgabe vor sich, die proportional zur Länge der Lieferkette wächst. Damit es dennoch klappt, sind klare Ziele und Spielregeln erforderlich, an die sich alle Beteiligten orientieren können. Denn ein nachhaltiges Lieferketten-Management rentiert sich für Unternehmen in vielerlei Hinsicht: Faire Arbeitsbedingungen, eine ressourcenschonende Produktion und emissionssparende Maßnahmen tragen zur Integrität eines Unternehmens bei, sichern seine Zukunftsfähigkeit und ermöglichen eine Minimierung der Kosten.