Wann ist E-Commerce nachhaltig? Und welche Vorteile bietet er Einzelhändlern?

Wer online einkauft, spart Zeit, lange Fahrtwege und Geld. Auch Ladenbetreiber profitieren von einem Online-Shop, in dem sie ihre Ware außerhalb ihrer Geschäftszeiten anbieten können. Wäre da nicht das schlechte Gewissen, dass durch jede Bestellung Treibhausgase und Verpackungsmüll entstehen. Aber ist jeder Online-Shopper zwangläufig ein Umweltsünder? Oder gibt es vielleicht doch einen Weg, das Einkaufen im Internet nachhaltiger zu gestalten?

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Was bedeutet Nachhaltigkeit überhaupt? 

Vermutlich kennen Sie den schillernden Begriff „Nachhaltigkeit“ schon von Werbetafeln und Wahlplakaten. Dabei stammt das Trendwort aus einer wesentlich geerdeteren Ecke: aus der Forstwirtschaft. Er beschreibt das Prinzip, eine Ressource so zu nutzen, dass keine bleibenden Schäden entstehen. In einem Wald beispielsweise dürfen nicht mehr Bäume abgeholzt werden, als nachwachsen können. Ein Prinzip, das sich am besten mit „Enkeltauglichkeit“ umschreiben lässt. Wir müssen so wirtschaften, dass auch für künftige Generationen genug da ist. Wie lässt sich dieses Prinzip aber auf den Online-Handel anwenden?

Warum ist E-Commerce (noch) nicht nachhaltig?  

Der Onlinehandel ist beliebter denn je. Mehr als neun von zehn Deutschen haben bereits online eingekauft, und auch die jüngsten globalen Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass sich mehr Verbraucher ihre Ware direkt nach Hause liefern lassen. Die Vorteile für Kundinnen und Kunden liegen auf der Hand: Die Anfahrt und die langen Schlangen an der Kasse fallen weg. Die Bestellung wird meist in wenigen Tagen direkt nach Hause geliefert. 

Doch so viel Bequemlichkeit hat ihren Preis: Zu den Kehrseiten des Onlinehandels gehören steigende CO2-Emissionen, die unter anderem durch Transporte zum Kunden sowie durch Rücksendungen oder wiederholte Zustellungsversuche entstehen. Und wenn mal wieder ein Gürtel in einem Riesenkarton mit unnötigem Füllmaterial geliefert wird, wird uns bewusst, dass es bis zum ressourcenschonenden Versandhandel noch ein langer Weg ist.

Lassen sich Nachhaltigkeit und E-Commerce vereinbaren? 

Eine 2015 durchgeführte Studie des DCTI zum klimafreundlichen Einkaufen lässt erahnen, dass E-Commerce das Zeug zur nachhaltigen Shopping-Form hat. Daraus geht beispielsweise hervor, dass mit dem Onlineversand sogar Emissionen eingespart werden können, wenn Kunden dadurch keine langen Strecken mit dem Auto zum nächstgelegenen Einkaufszentrum zurücklegen müssen.

Ein nachhaltiger Ansatz beim Onlinehandel kommt dem Klima, aber auch auf der Kosteneffizienz beim Versandhandel zugute. Denn die Reduzierung von Verpackungsmüll und nachhaltigere Logistikketten sowie die Vermeidung von Retouren können auch für Händler eine beachtliche Kostenersparnis zur Folge haben. Darüber hinaus ist Nachhaltigkeit auch als Wettbewerbsvorteil interessant: So können Unternehmen dank Produkten mit klimafreundlichen Lizenzen und Siegeln gezielt umweltbewusste Käufer ansprechen und für sich gewinnen.

Jetzt sind Sie gefragt: So animieren Sie Ihre Kunden zunachhaltigereEinkauf  

Damit das E-Commerce sein nachhaltiges Potenzial voll ausschöpfen kann, ist bei Händlern und Händlerinnen sowie bei der Kundschaft ein Umdenken erforderlich. Verantwortungsbewusstes Handeln ist hier das Stichwort. Schon mit einigen Maßnahmen können Sie den Anfang machen und zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks im Onlinehandel beitragen:

  • Sammel- statt Einzelbestellungen: Wenn mehrere Sendungen zu einer zusammengefasst werden können, spart das Versandemissionen. Appellieren Sie an das ökologische Bewusstsein Ihrer Kunden und zeigen Sie ihnen, wie sie durch Sammelbestellungen die Umwelt entlasten und Versandkosten sparen können. Zudem eignen sich Mengenrabatte gut als Motivator, um mehrere Artikel vorrätig zu bestellen, statt jedes Mal zum Einzelkauf zu greifen.
     
  • Retouren vermeiden: Bei manchen Produkten wie Kleidung und Schuhen gehören Rücksendungen einfach dazu. Schließlich müssen Kunden sie anprobieren. Dennoch können auch hier detaillierte Produktbeschreibungen Abhilfe schaffen. Durch den Hinweis, dass die Größen bei einer bestimmten Schuhmarke kleiner oder größer ausfallen, helfen Sie dem Käufer, auf Anhieb die richtige Wahl zu treffen und Versandemissionen durch Retouren zu vermeiden. Was alles in eine gute Produktbeschreibung gehört, erfahren Sie hier.
     
  • Zustellungsversuche reduzieren: Wenn die Paketbotin niemanden zu Hause antrifft und auch kein Nachbar zur Stelle ist, muss sie das Paket wieder mitnehmen. Um Leerläufe zu vermeiden, bitten Sie Ihre Kunden um Angaben zum Wunschtermin, an dem sie zu Hause sind, oder um die Nennung eines Nachbarn oder einer Abholstelle, wo das Paket stattdessen zugestellt werden kann.

Fazit: Nachhaltiger E-Commerce ist die Zukunft 

Nachhaltigkeit und E-Commerce sind längst keine Widersprüche mehr. Im Gegenteil: Mit einigen wenigen Maßnahmen können sie den Onlinehandel nicht nur klimafreundlicher, sondern auch kosteneffizienter gestalten. Studien belegen, dass durch den Versandhandel sogar Emissionen beim Transport von Produkten bis zum Endkunden gespart werden können. Wenn zudem unnötige Retouren wegfallen, tut das nicht nur der Ökobilanz gut, sondern spart auch Portokosten. Verantwortliches, ressourcenschonendes Handeln im E-Commerce lohnt sich also auf der ganzen Linie: Für Händler, Kunden, Natur – und künftige Generationen.