Rakuten Experten Talk Barcelona 2019

Am 27.11.2019 lud Rakuten zum Rakuten Experten Talk 2019 nach Barcelona, um in den Räumen von Rakuten TV um über kommende Herausforderungen im Wettbewerb zu diskutieren. Bei der Expertenrunde tauschten sich renommierte Onlinehändler, Payment-Provider, sowie Middle Ware Provider über die wichtigsten Trends und Entwicklungen des Marktes aus, darunter Vertreter von babymarkt, Alternate, Euronics, Deltatecc, Preisbörse24, Conrad, Sony, chiq, plentymarkets und Michael Atug persönlich. Eine Erkenntnis der Teilnehmer war dabei allgegenwärtig: „Multichannel wird in Zukunft noch vielfältiger und wichtiger für Händler “

Stefan Winter
von Stefan Winter

Lesezeit: 5 min.

Die Marktplatz-Landschaft 

Es gibt zwei Platzhirsche, die sich die Kunden aufteilen und um deren Gunst eifern: Amazon mit rund 570 Millionen Visits im November und Google mit rund 600 Millionen. Gemeinsam über 1 Milliarde Visits pro Monat vereint auf zwei Anbieter zeigt deutlich, wie sich die Umsätze verteilen. Wie positionieren sich nun Onlineshops im Kampf um die Kunden?

Die erste Runde im Rakuten Experten Talk 2019 befasste sich mit dem Thema Google Shopping Actions (GSA). In Deutschland noch relativ unbeachtet, feiert Google seit dem Start von Google Shopping Actions im März 2018 einen Erfolg nach dem anderen. Neben den USA ist GSA im 4. Quartal 2018 in Frankreich gestartet und bietet dort nun auch den Service, den direkten Checkout (bei teilnehmenden Händlern) bei Google durchzuführen. „Mit Google kaufen“ - Das bedeutet, der Kunde muss nicht auf den Shop des Produktanbieters und kann den Checkout-Prozess um mindestens die Hälfte der Schritte verkürzen. Einzigartig ist hierbei die Vernetzung aller Google Services, auf dem Mobiltelefon wird das Produkt gesucht und in den Warenkorb gelegt und auf dem Desktop abends nahtlos gekauft.

Ein neuer Mega-Player betritt den Markt 

Das ist eine Herausforderung für die Händler-Landschaft, da Google nicht nur einen der größten Zugänge zu Kunden darstellt, sondern auch noch weltweit über 1.5 Milliarden Gmail-Konten verfügt, in denen eine hohe Zahl an Nutzern bereits ihre Payment-Details hinterlegt hat. Mit Google Pay bietet Google einen Service, der ihnen neben dem Online-Nutzer-Verhalten auch die Möglichkeit gibt, das Offline-Bezahlverhalten der Nutzer zu analysieren und für die Werbestrategie zu nutzen.

Um an diesem neu entstehenden Marktplatz zu partizipieren, sollten sich Händler bereits heute über die Anforderungen hinsichtlich der Geschwindigkeit und Qualität der Daten sowie natürlich über die Qualität der Bewertungen informieren und ihre Roadmap, falls nicht bereits vorhanden, mit diesen Punkten konfrontieren.

Hier wird Google also wie Amazon zu einem Marktplatz, wobei mit Google wohl die erfolgreichste Suchmaschine genutzt wird. 

Und Amazon wird immer mehr zur Suchmaschine bzw. ist bereits eine Suchmaschine geworden. Ein Großteil der Suchanfragen nach Produkten startet bei Amazon und nicht bei Google. Im Oktober 2019 verfügte Amazon über rund 60 % Direct Traffic. 

Dazu kommt, dass Amazon nach einer kurzen Phase wieder im Bereich der Product Listing Ads bei Google eingestiegen ist und den Einkauf von Kunden, unter einem enormen Wettbewerbsdruck, noch preisintensiver werden lässt.

Neben einer großen Anzahl an Amazon-Kunden werden auch Kunden über Google letztendlich auf Amazon geleitet, um ihre Käufe dort zu tätigen. Also ein Marktplatz, an dem man nicht vorbeikommt.

Online Händler sollten Ihre Engagements breit aufstellen  

Multichannel-Vertrieb sollte die Antwort sein. Neben Amazon und Google gibt es nämlich auch noch weitere interessante Wettbewerber wie Rakuten, welche ein globales Eko-System bieten und weltweit zu den 10 größten Internetunternehmen gehören. Aus der Finanz-Theorie ist bekannt, dass Harry M. Markowitz mit seiner Portfoliotheorie belegt, dass man am besten sein Engagement aufteilt. Insbesondere, wenn Marktplätze den Shop schließen und der Umsatz von einen Tag auf den anderen weg ist, wie Multichannel Rockstar Michael Atug in seinem kurzweiligen Vortrag berichtet.

Der Wettbewerb unter den Marktplätzen wird zunehmen und das Buhlen um Kunden wird preisintensiver. Über Loyalty-Systeme oder Zusatzleistungen wird versucht die Kunden an die Marktplätze zu binden, um die hohen Akquisitionskosten in eine positive Rechnung zu verwandeln. Ein weiterer Vorteil der Marktplätze liegt in den Daten. Marktplätze haben die Daten zu Kaufverhalten von Kunden über eine Vielzahl von Produktgruppen und können somit günstiger Kunden akquirieren, da sie durch die Daten auf look-alikes werben können, was günstiger ist, als direkt auf Produkte oder Kategorien zu bieten. Was machen jedoch die Onlinehändler ohne diese Instrumente?

Auf partnerschaftliche Strategien setzten 

Ein Engagement auf vielen Marktplätzen ist mittelfristig unumgänglich, da der Wettbewerb die Margen verringert, die Kosten für die Kundenakquise stetig steigen und ohne Loyalty-Programme wie z. B. Rakuten Super Points oder aber Zusatzleistungen, die Treue der Kunden nicht lange währen wird. Das führt zu immer wieder hohen Preisen für die Kundenakquisition und einer schwindenden Marge.

Über kurz oder lang werden sich die professionellen Händler mit guten Produkten, einem guten Fulfillment und einer guten Userexperience sowie einem schnellen und reibungslosen Checkout bewähren. Und diejenigen, die sich mit den relevanten Marktplätzen auseinandersetzen, insbesondere den Marktplätzen, die keinen Eigenhandel betreiben und auf die Produkte und die Sales der Händler angewiesen sind. Customer-Centric ist ein wichtiger Aspekt, dabei sollte man jedoch nicht den Händler vergessen.