So wichtig sind gute und korrekte Produktbilder

Gute Produktbilder sind wichtig für den Onlinehandel. Sie können über den Kauf mit entscheiden. Aber Vorsicht: Auch bei Produktbildern kann es für den Händler gefährlich werden und Abmahnungen drohen.

von Sabine Amler

Beim Online-Shopping ist noch weniger Zeit, um den Erstkontakt in Interesse und idealerweise in einen Kauferfolg umzuwandeln – denn ein Klick gewährt Zugriff auf Dutzende oder Hunderte Läden statt zu nur einem Schaufenster. Die Regeln, wie man einen Kunden mit dem ersten Blick erfolgreich zum eigenen Produkt zieht, sind analog wie virtuell jedoch dieselben.

Neben dem Preis entscheidet der visuelle Eindruck: Studien belegen immer wieder, dass die Produktbilder den Ausschlag geben, noch bevor Texte oder andere Elemente hinzugezogen werden. Kurz: Die Bilder sind Ihr wichtigstes Marketinginstrument. 

Hier machen Händler aber immer noch Fehler und tappen eventuell in die Abmahnfalle.

Der erste Eindruck zählt, der zweite entscheidet

Eindeutigkeit ist wichtig: Was ist auf dem ersten Bild, was der Kunde gezeigt bekommt, zu sehen? Damit der erste Eindruck stimmt, gelten dieselben Regeln wie bei der Schaufenstergestaltung:

  • Das Produkt sollte auf den ersten Blick erkennbar sein – auch wenn der Nutzer den Blick nur schweifen lässt und noch nicht genau hinschaut. Daher bilden Sie auf dem ersten Produktbild nur das tatsächlich zu verkaufende Produkt ab. Vermeiden Sie nicht enthaltenes Zubehör.
  • Falls schon im Vorschaubild Dekoration verwendet wird, sollte diese auf die Zielgruppe abgestimmt sein (Teenager, Trendbewusste, +60…) und eine bestimmte Aussage vermitteln. Es muss aber erkennbar sein, dass es nur Dekoration ist. Im Zweifelsfall zeigen Sie nur das Produkt alleinstehend.
  • Einheitlichkeit erleichtert die Wahrnehmung zusätzlich. Wenn alle Vorschaubilder im Shop denselben Hintergrund haben, alle Produkte darauf in dieselbe Richtung ausgerichtet sind und das Verhältnis von Bild- und Produktgröße aussagekräftig bzw. konstant, ist hier schon die erste Hürde genommen: Der Kunde findet schnell, was er sucht.
  • Zoomfähige Bilder in hoher Auflösung ermöglichen den unverzichtbaren Blick aufs Detail. Mindestens 500 Pixel in Breite und/oder Höhe sind zu empfehlen.
  • Bilder aus mehreren Perspektiven und mit guter Beleuchtung bieten den bestmöglichen Ausgleich zur analogen Berührung und Anprobe der Ware
    Alles zusammen kann die Kaufentscheidung gerade bei hochwertigen und nicht standardisierten Produkten wie Kleidung, Schuhen, Spielzeug oder Möbeln beeinflussen.

Sauber und gepflegt

Ob Online-Shopping oder Schaufensterbummel in der Fußgängerzone: Wer betritt gern einen Laden mit verdreckten Scheiben? Oder vermutet zeitgemäße Ware in einem altmodischen Geschäft?

Wo im stationären Handel also Fenster poliert und Renovierungen vorgenommen werden, achten erfolgreiche Webshops auf gut ausgeleuchtete Produktbilder und aktuelle Motive. Beides signalisiert dem Kunden: Wir haben, was du brauchst – und wir kümmern uns gut um dich.

In Szene gesetzt

Viele Produkte sind mehr als ein materielles Gut: Ihr Nutzen besitzt auch einen emotionalen Kontext. Wenn dieser geschickt verknüpft wird, kann der Kaufimpuls gefördert werden:

  • Saisonale Empfehlung: Wie lässt sich die Ware im Zusammenhang mit der Jahreszeit benutzen? Eignen sie z.B. als Geschenkidee im Osternest oder unterm Weihnachtsbaum?
  • Emotionale Aufwertung: Mode, Schmuck, Sportgeräte, Kosmetik, Campingartikel, Geschirr, Dekoartikel und viele andere Artikel tragen für den Käufer eine Bedeutung wie Stil, Schönheit, Eleganz, Naturverbundenheit, Wohlfühlen, Zuhause… Diese Bedeutung lässt sich durch entsprechend positive Verwendungssituationen gut im Bild herausarbeiten.
  • Kreative Präsentation: Ob am Modell oder Dummy, arrangiert oder aufgehängt – es gibt viele Arten, Produkte ungewöhnlich, auffällig oder besonders interessant zu präsentieren.

Wichtig ist, dass diese „Szene-Aufnahmen“ die detaillierte Darstellung nicht ersetzen, sondern ergänzen. Der Kunde muss trotzdem die Möglichkeit haben, das Produkt auch ganz ohne Ablenkung oder Drapierung anzuschauen.

Immer auf der sicheren Seite

Viele Wege führen zu guten Produktbildern, Kopieren beim Mitbewerber gehört nicht dazu.

Stattdessen kann man selbst fotografieren, bereitgestelltes Material des Herstellers nutzen oder Bilder dazukaufen. Mit Herstellerbildern ist man rechtlich auf der sicheren Seite - sofern Sie das Recht zur Verwendung haben.

Hier ist eher zu berücksichtigen, ob das Material auch zum eigenen Stil passt. Dazukaufen ist hier eine schnelle Lösung – wenn das Kleingedruckte gut studiert wurde, um eventuelle Abmahnungen auszuschließen. Entscheidet man sich jedoch dafür, selbst zu fotografieren, legt man den Grundstein für einen tatsächlich einzigartigen Shop – mit einem Schaufenster, das sonst keiner hat.

Vorsicht Abmahnungen

Vermeiden Sie es, dass Ihre Bilder Grund für eine Abmahnung werden. 

Abgemahnt werden können Bilder, die Sie verwenden ohne die entsprechenden Rechte erworben zu haben. Vergewissern Sie sich immer, dass Sie die Bilder auch nutzen dürfen.

Deutsche Gerichte weisen Produktbilder eine wesentliche Rollen zu. Sie sind wesentlicher Bestandteil des Angebots und müssen daher auch die korrekten Informationen vorhalten (u.a. OLG Hamm, Urteil vom 04.08.2015 – Az. I-4 U 66/15). 
Somit ist für die Rechtsprechung alles, was auf dem Produktbild zu sehen ist, das, was der Händler in vollem Umfang dem Käufer schuldet. Weicht das Produktbild vom tatsächlichen Lieferumfang ab, kann das Gewährleistungsansprüche des Kunden hervorrufen (vgl. BGH, Urteil vom 12.01.2011 – Az. VIII ZR 346/09).

Zeigen Sie nur das Produkt. Kein Zubehör, das separat erhältlich ist. Keine Dekorationselemente, die im Verständnis des Kunden dazugehören könnten. Ein Hinweis, dass die gezeigten Inhalte nicht im Lieferumfang enthalten sind, müssen direkt beim Produktbild enthalten sein. Da dies in der Regel nicht möglich ist, vermeiden Sie solche Bilder. 

Weitere Informationen finden Sie unter anderem hier. Ein Urteil zu Sonnenschirmen mit Bodenplatte auf dem Bild, die aber nicht im Lieferumfang hat das  OLG Hamm (Urt. v. 4.8.2015, I-4 U 66/15) gefällt.

Artikel erstmalig veröffentlicht am 11.7.2016, erweitert am 06.11.2018